Warum erröten wir?

Warum erröten wir? Die Menschen, die damit kaum Probleme haben, werden natürlich freudigst und lauthals ausrufen: Weil wir uns schämen! Und genau diese Reaktion ist auch schon das Hauptproblem. Da Erröten immer mit Scham gleichgesetzt wird, haben es Betroffene noch schwerer mit ihrer ‘Eigenart’ umzugehen, als ohnehin schon. Die Annahme, dass Erröten immer mit etwas Schamvollen, Peinlichem und psychisch Entblößendem verbunden wird, führt dazu, dass die Personen noch schneller erröten. Ein Teufelskreis. Hilfreich ist es einmal zu erfahren, aus welchen Gründen oder in welchen Situationen die Menschen, die zu dieser körperlichen Reaktion neigen, erröten. Es sind nämlich keineswegs furchtbar peinliche Situationen und auch keine Mißgeschicke, die diesen Menschn ständig passieren. Es gibt sehr erfolgreiche prominente Leute, die dieses Problem haben. Und dies sind keinesweges besonders schüchterne verklemmte oder psychisch labile Personen. Wir sollten uns daran gewöhnen, dass Erröten etwas ganz Normales und nicht Beschämendes mehr ist. Aus der Zeit, als junge Mädchen verschämt die Augen niederschlugen und sanft erröteten, wenn ein junger Herr sie nur ansprach sind wir doch inzwischen heraus. Die Menschen heute erröten auch in alltäglichen banalen Situationen, in denen es nicht um das bedeutsame Thema Partnerwahl geht.
Was bei der Belustigung über leicht errötende Menschen gerne übersehen wird, ist der Hauttyp der Person. Menschen mit dunkler Hautfarbe mit olivfarbenem Unterton haben keine Probleme mit dem Erröten. Es sind die hellhäutigen und sonnenempfindlicheren Hauttypen, die auch völlig ohne Sonneneinstrahlung erröten können.
Tragisch ist natürlich auch, dass bei diesem hellen Hauttyp das Erröten besonders auffällt.
Erröten geht meist mit einer gesteigerten Durchblutung einher. Dies kann auch von einer temperaturempfindlichen Haut kommen. Wenn man im Winter aus der Kälte in einen geheizten Raum kommt, reagiert diese Haut schneller mal mit Röte als bei robusteren Hauttypen. Wie sicherlich bekannt ist, führt auch Alkoholgenuss zu einem roten Kopf.
Ein häufiger Grund für schnelles Erröten ist sicherlich am wenigsten bekannt. Er ist eine latente allergische Neigung der Person. Allergiker, die auch über die Haut reagieren, können durchaus lange Phasen symptomfrei sein und nicht eindeutig auf irgendwelche Stoffe reagieren, aber als Auffälligkeit im Vergleich zu gesunden Personen zu schnellem Erröten neigen. Hier liegt eindeutig eine zu sensible Hautreaktion vor. Ein Allergiker, der seine Allergien erfolgreich behandeln lassen hat, wird feststellen, dass er weniger bis überhaupt nicht mehr zum Rotwerden neigt. Wer also meint, er wäre ein typischer ‘Rotwerder’ sollte sich unbedingt mal auf Allergien testen und behandeln lassen. Manchmal schleppt man unwissend über Jahre eine chronische Allergie mit sich herum, die die Leistungsfähigeit einschränkt und die Organe bei der Ausübung ihrer Arbeit beeinträchtigt. Ein Erröten der Haut muss also kein persönliches Manko oder irgendeine psychische Labilität bedeuten, sondern kann leichte krankheitsbedingte Ursachen haben, denen nicht nachgegangen wird, weil man sonst keine Beschwerden hat.
Wenn man als Betroffener jedoch völlig überzeugt davon ist, dass das persönliche Rotwerden mit Schamesröte unbedingt gleichzusetzen ist, kann durchaus an sich arbeiten. Es hilft natürlich zu üben, Hemmungen abzubauen. Die Psychotherapie kennt viele wirksame Methoden, um Schüchternheit und ein schwaches Selbstbewusstsein zu bekämpfen. Peinliche Situationen sollten mit anderen vortrainiert werden.